Normen & Prüfung

Filternormen im Vergleich: ISO 16890, EN 779 und MERV

ISO 16890, die historischen EN-779-Klassen und das eigenständige MERV-System im Vergleich – mit Richtbereichen statt exakter Umrechnung.

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Kurz gesagt

Die ISO 16890 ist die aktuelle internationale Norm für Luftfilter der allgemeinen Raumlufttechnik. Sie hat die EN 779:2012 abgelöst, die europaweit am 30. Juni 2018 zurückgezogen wurde. Eine exakte Eins-zu-eins-Umrechnung zwischen beiden Normen gibt es nicht: Ein F7-Filter „entspricht“ keiner bestimmten ISO-16890-Klasse, sondern nur einem Bereich möglicher Klassen. Die ISO 16890 klassifiziert einen Filter danach, welchen Anteil des luftgetragenen Feinstaubs er abscheidet – ePM1, ePM2,5, ePM10 oder ISO Coarse –, statt nach dem Abscheidegrad bei einer einzigen Partikelgröße von 0,4 µm. MERV (ANSI/ASHRAE 52.2) bleibt ein eigenständiges nordamerikanisches System, das ebenfalls mit keiner der beiden Normen exakt übereinstimmt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aktuelle Norm: EN ISO 16890 in vier Teilen – Teil 1 (Klassifizierung) ISO 16890-1:2016, Teil 2 (Fraktionsabscheidegrad und Durchflusswiderstand) ISO 16890-2:2022, Teil 3 (gravimetrischer Abscheidegrad und Staubspeicherfähigkeit) ISO 16890-3:2024, Teil 4 (Konditionierung mit Isopropanol, IPA) ISO 16890-4:2022.
  • Zurückgezogene Norm: EN 779:2012 – Klassen G1–G4, M5–M6, F7–F9. Für die Klassifizierung neuer Produkte in den CEN-Mitgliedsländern nicht mehr gültig.
  • Oberhalb der ISO 16890: EPA-, HEPA- und ULPA-Filter fallen nicht unter die ISO 16890. Sie werden nach EN 1822 (E10–U17) und ISO 29463 (ISO 15 E – ISO 75 U) klassifiziert.
  • Nordamerika: MERV 1–16 nach ANSI/ASHRAE 52.2. MERV 17–20 tauchen in manchen Veröffentlichungen auf, liegen aber außerhalb des Anwendungsbereichs des Prüfverfahrens nach 52.2.
  • Umrechnung: Es gibt nur Richtbereiche. Fordern Sie stets den ISO-16890-Prüfbericht des konkreten Filters an.

Warum die EN 779 abgelöst wurde

Die EN 779:2012 bewertete einen Filter nach seinem mittleren Abscheidegrad für Partikel einer einzigen Größe – 0,4 µm –, gemessen während der Beladung mit synthetischem Staub. Über die Wirkung des Filters auf den Staub, den Menschen tatsächlich einatmen, sagte dieser Wert sehr wenig aus.

Die ISO 16890 misst den Fraktionsabscheidegrad über den gesamten Bereich von 0,3–10 µm und gewichtet die Messwerte anschließend mit den realen Partikelgrößenverteilungen städtischer und ländlicher Außenluft. Das Ergebnis ist der Anteil an PM1, PM2,5 oder PM10, den der Filter abscheidet – also dieselben Feinstaubfraktionen, mit denen auch die Weltgesundheitsorganisation und die Gesetzgebung zur Luftqualität arbeiten. Planer können eine Filterklasse damit direkt mit einem Ziel für die Raumluftqualität verknüpfen.

Die wichtigsten Unterschiede

  EN 779:2012 (zurückgezogen) EN ISO 16890
Bewertete Partikelgröße Nur 0,4 µm 0,3 µm – 10 µm
Klassen G1–G4, M5–M6, F7–F9 ISO Coarse, ISO ePM10, ISO ePM2,5, ISO ePM1
Elektrostatische Ladung Probe des Filtermediums entladen (Mindestabscheidegrad) Gesamtes Filterelement in Isopropanoldampf konditioniert
Prüfstaub zur Beladung Synthetischer ASHRAE-Prüfstaub Prüfstaub ISO A2 Fine
Druckdifferenz am Prüfende G-Klassen: 250 Pa; M- und F-Klassen: 450 Pa ISO Coarse / ePM10 < 50 %: 200 Pa; ePMx ≥ 50 %: 300 Pa
Geografischer Geltungsbereich Europa (CEN) International (ISO)

Wie eine ISO-16890-Klasse vergeben wird

Ein Filter wird der höchsten Gruppe zugeordnet, deren Anforderung er erfüllt; der angegebene Abscheidegrad wird auf das nächstniedrigere Vielfache von 5 % abgerundet.

Gruppe Anforderung Angabe als
ISO ePM1 ePM1 im Anfangszustand ≥ 50 % und ePM1,min im entladenen Zustand ≥ 50 % ISO ePM1 50% … 95%
ISO ePM2,5 ePM2,5 im Anfangszustand ≥ 50 % und ePM2,5,min im entladenen Zustand ≥ 50 % ISO ePM2,5 50% … 95%
ISO ePM10 ePM10 im Anfangszustand ≥ 50 % (keine Anforderung an den entladenen Zustand) ISO ePM10 50% … 95%
ISO Coarse ePM10 < 50 % ISO Coarse 5% … 95% (gravimetrischer Abscheidegrad)

Beispiel. Ein V-Compact-Filter, der nach EN 779 als F8 klassifiziert war, wird nach ISO 16890 geprüft und erreicht 73 % ePM1, 80 % ePM2,5 und 93 % ePM10. Da er die Anforderung für ePM1 erfüllt, wird er in die höchste Gruppe eingestuft, für die er sich qualifiziert, und der Wert wird in Schritten von 5 % abgerundet: ISO ePM1 70%.

Das „e“ steht für „efficiency“ (Abscheidegrad), der tiefgestellte Index für die Feinstaubfraktion. ISO ePM1 70% bedeutet, dass der Filter 70 % der PM1-Partikel abscheidet.

Von EN 779 zu ISO 16890: Richtbereiche, keine Entsprechungen

Eine einzelne EN-779-Klasse kann je nach verwendetem Filtermedium in unterschiedliche ISO-16890-Klassen fallen. Zwei Filter, die beide als F7 gekennzeichnet waren, können bei der Prüfung als ISO ePM1 50% bzw. als ISO ePM2,5 65% eingestuft werden. Am stärksten ausgeprägt ist das bei synthetischen Elektretmedien, deren Abscheidegrad sinkt, sobald die elektrostatische Ladung neutralisiert ist – genau das macht der Konditionierungsschritt der ISO 16890 sichtbar.

Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Bereichen die gemessenen mittleren Abscheidegrade von Filtern der früheren EN-779-Klassen bei einer erneuten Prüfung nach ISO 16890 typischerweise liegen. Nutzen Sie sie, um eine Vorauswahl einzugrenzen, niemals als Ersatz für den Prüfbericht.

Klasse nach EN 779:2012 ePM1 ePM2,5 ePM10
M5 5 % – 35 % 10 % – 40 % 40 % – 70 %
M6 10 % – 40 % 20 % – 50 % 60 % – 80 %
F7 40 % – 65 % 65 % – 75 % 80 % – 90 %
F8 65 % – 90 % 75 % – 95 % 90 % – 100 %
F9 80 % – 90 % 85 % – 95 % 90 % – 100 %

Filter der Klassen G1–G4 fallen in die Gruppe ISO Coarse. Ihr ISO-Coarse-Wert ist ein gravimetrischer Abscheidegrad und mit einem ePMx-Abscheidegrad nicht vergleichbar.

MERV (ANSI/ASHRAE 52.2) im Vergleich

MERV wird aus dem zusammengesetzten mittleren Fraktionsabscheidegrad in drei Größenbereichen abgeleitet: E1 = 0,30–1,0 µm, E2 = 1,0–3,0 µm, E3 = 3,0–10,0 µm. Ein Filter erhält den höchsten MERV-Wert, für den er alle Anforderungen erfüllt.

MERV E1 (0,30–1,0 µm) E2 (1,0–3,0 µm) E3 (3,0–10,0 µm) ISO-16890-Gruppe (Richtwert)
1–4 – – < 20 % ISO Coarse
5 – – ≥ 20 % ISO Coarse
6 – – ≥ 35 % ISO Coarse
7 – – ≥ 50 % ISO Coarse – ISO ePM10
8 – ≥ 20 % ≥ 70 % ISO ePM10
9 – ≥ 35 % ≥ 75 % ISO ePM10
10 – ≥ 50 % ≥ 80 % ISO ePM10 – ISO ePM2,5
11 ≥ 20 % ≥ 65 % ≥ 85 % ISO ePM2,5
12 ≥ 35 % ≥ 80 % ≥ 90 % ISO ePM2,5
13 ≥ 50 % ≥ 85 % ≥ 90 % ISO ePM1
14 ≥ 75 % ≥ 90 % ≥ 95 % ISO ePM1
15 ≥ 85 % ≥ 90 % ≥ 95 % ISO ePM1
16 ≥ 95 % ≥ 95 % ≥ 95 % ISO ePM1

Die letzte Spalte dient nur der groben Orientierung. MERV arbeitet mit einem anderen Aerosol, anderen Größenbereichen und ohne Konditionierung mit Isopropanol; ein Filter mit MERV 13 und ein Filter der Klasse ISO ePM1 50% sind daher schon von der Definition her nicht austauschbar.

Wo die ISO 16890 endet: EPA, HEPA und ULPA

Die ISO 16890 erfasst Filter bis etwa ISO ePM1 95%. Darüber werden Filter nach EN 1822 oder ISO 29463 mit Partikelzählung bei der Partikelgröße mit dem geringsten Abscheidegrad (MPPS) geprüft, und jedes Filterelement wird einzeln einer Leckprüfung unterzogen.

Klasse nach EN 1822 Abscheidegrad bei MPPS (Integralwert) Abscheidegrad (Lokalwert) Klasse nach ISO 29463 Gruppe
E10 ≥ 85 % – Keine Entsprechung EPA
E11 ≥ 95 % – ISO 15 E EPA
E12 ≥ 99,5 % – ISO 25 E EPA
H13 ≥ 99,95 % ≥ 99,75 % ISO 35 H HEPA
H14 ≥ 99,995 % ≥ 99,975 % ISO 45 H HEPA
U15 ≥ 99,9995 % ≥ 99,9975 % ISO 55 U ULPA
U16 ≥ 99,99995 % ≥ 99,99975 % ISO 65 U ULPA
U17 ≥ 99,999995 % ≥ 99,9999 % ISO 75 U ULPA

Die ISO 29463 beginnt bei ISO 15 E; für die Klasse E10 nach EN 1822 gibt es daher kein Gegenstück nach ISO 29463. Die nächstliegende Entsprechung nach ISO 16890 ist ISO ePM1 > 95%.

Die Filterklasse für ein Projekt wählen

Gehen Sie von der Außenluftqualität am Standort und von der geforderten Raumluftqualität aus, nicht von der Kennzeichnung des bisherigen Filters.

  • Vorfiltration und Anlagenschutz: ISO Coarse oder ISO ePM10. Schützt Register, Ventilatoren und nachgeschaltete Filter vor Flusen, Insekten und Sand.
  • Allgemeine Lüftung in Gewerbegebäuden: ISO ePM1 50–60% ist der übliche Ersatz für das, was früher als F7 ausgeschrieben wurde.
  • Büros und Schulen mit belasteter Stadtluft: ISO ePM1 70–80%.
  • Krankenhäuser, Pharma- und Lebensmittelproduktion: ISO ePM1 80% oder höher, als letzte Stufe vor einem HEPA-Filter.
  • Reinräume und Containment: H13, H14 oder höher nach EN 1822 / ISO 29463, festgelegt zusammen mit der Reinraumklasse nach ISO 14644-1.

Die Eurovent-Empfehlung REC 4/23 gibt Hinweise zur Wahl der Filterklasse, ausgehend von der Außenluftqualität am Standort der Anlage und von der angestrebten Raumluftqualität. An ihr orientieren sich heute die meisten europäischen Ausschreibungen.

Häufige Fragen

Gilt die EN 779 noch?

Nein. Die EN 779:2012 wurde am 30. Juni 2018 zurückgezogen und durch die EN ISO 16890 ersetzt. Auf dem Markt können Filter zwar noch informell als „F7“ oder „M5“ bezeichnet werden, ein neuer Filter sollte jedoch nach ISO 16890 ausgeschrieben, geprüft und dokumentiert werden.

Welche ISO-16890-Klasse entspricht einem F7-Filter?

Eine einzelne Entsprechung gibt es nicht. Filter, die als F7 klassifiziert waren, erreichen in der Prüfung typischerweise ePM1 40–65 %, ePM2,5 65–75 % und ePM10 80–90 %. In der Praxis ist ISO ePM1 50–60% der häufigste Ersatz; die richtige Antwort für einen bestimmten Filter kann jedoch nur dessen Prüfbericht liefern.

Was bedeutet ISO ePM1 70%?

Der Filter scheidet 70 % des Feinstaubs mit einem aerodynamischen Durchmesser bis 1 µm ab, gemessen über den Bereich 0,3–10 µm und gewichtet mit einer genormten Partikelgrößenverteilung städtischer Luft. Die angegebenen Werte werden in Schritten von 5 % abgerundet.

Warum wird der Filter nach ISO 16890 mit Isopropanol entladen?

Viele synthetische Filtermedien scheiden Partikel mithilfe einer elektrostatischen Ladung ab. Diese Ladung baut sich im Betrieb ab, sodass der Anfangsabscheidegrad die tatsächliche Leistung zu hoch ausweist. Nach ISO 16890-4 wird das vollständige Filterelement in gesättigtem Isopropanoldampf konditioniert und anschließend erneut geprüft. So gibt die Klasse einen Abscheidegrad wieder, der nicht von der Ladung abhängt.

Ist MERV 13 dasselbe wie ISO ePM1 50%?

In der Anwendung sind beide grob vergleichbar, per Definition aber nicht gleichwertig. Die beiden Normen arbeiten mit unterschiedlichen Prüfaerosolen, unterschiedlichen Partikelgrößenbereichen und unterschiedlicher Konditionierung. Ein Filter sollte die Klassifizierung nach der Norm tragen, die in der Ausschreibung genannt ist, und keinen umgerechneten Wert.

Erfasst die ISO 16890 auch HEPA-Filter?

Nein. Die ISO 16890 endet bei etwa ISO ePM1 95%. EPA-, HEPA- und ULPA-Filter werden nach EN 1822 oder ISO 29463 klassifiziert; diese Normen prüfen bei der Partikelgröße mit dem geringsten Abscheidegrad und verlangen für jedes Filterelement eine eigene Leckprüfung.

Welche Teile der ISO 16890 gelten derzeit?

ISO 16890-1:2016 für das Klassifizierungssystem, ISO 16890-2:2022 für Fraktionsabscheidegrad und Durchflusswiderstand, ISO 16890-3:2024 für gravimetrischen Abscheidegrad und Staubspeicherfähigkeit sowie ISO 16890-4:2022 für das Konditionierungsverfahren mit Isopropanol.

Wie prüfe ich die ISO-16890-Angabe eines Lieferanten?

Fordern Sie den Prüfbericht genau dieses Filtermodells in genau dieser Baugröße an. Er sollte die Abscheidegrade ePMx im Anfangszustand und im entladenen Zustand, die Anfangsdruckdifferenz beim Nennvolumenstrom, die Druckdifferenz am Prüfende und das prüfende Labor angeben.

Prüfung bei Ulpatek

Ulpatek prüft seine Filter im eigenen Filterprüflabor ULPALAB. Es ist mit einem Prüfsystem nach ISO 16890, einem Prüfsystem für die Leckprüfung von HEPA- und ULPA-Filtern im Scan-Verfahren nach EN 1822 / ISO 29463, einem Leistungsprüfsystem und einem Filtermedien-Prüfsystem ausgestattet. Ulpatek ist Eurovent-zertifiziert und fertigt nach ISO 16890 und ISO 29463 (EN 1822).

Wenn Sie den Prüfbericht für eine bestimmte Filterklasse, Abmessung oder einen bestimmten Volumenstrom benötigen, schreiben Sie uns an info@ulpatek.com.